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Offener Brief

An den
2. Bürgermeister der Landeshauptstadt München
Herrn Josef Schmid
Rathaus, Marienplatz 8
80331 München

Rückgabe des Münchner Umweltpreises 2007 an die Landeshauptstadt

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Josef Schmid,

mit großer Enttäuschung habe ich die Beschlussvorlage „Anpassung der Bewertungskriterien beim Kriterium Ökologie für das Oktoberfest, die Auer Dulten, das Stadtgründungsfest und den Christkindlmarkt“ gelesen, die am 19.9.2017 im Wirtschaftsausschuss zur Entscheidung auf der Agenda steht.

Eine Beschlussvorlage, die von Ihnen und Ihrer Partei federführend vorangetrieben wird, und in der das Bio-Siegel mit dem konventionellen „Qualität aus Bayern“-Siegel gleichgestellt wird. Dies macht mich fassungslos. Das „Qualität aus Bayern“-Siegel ist, wie Sie wissen, mit keinerlei nennenswerten, über die gesetzlich ohnehin geltenden Vorgaben hinausgehenden Anforderungen für die Tierhaltung verbunden.

Diese Beschlussvorlage ist kein Schnellschuss, sondern das Ergebnis einer zweijährigen Debatte. Ich muss also davon ausgehen, dass Sie als zuständiger Bürgermeister nicht die Absicht haben, den ohnehin arg schleppenden Einsatz von Bio-Produkten auf München-Volksfesten und Märkten voran zu treiben.

Im Gegenteil – diese Vorlage ist eine dreifache Rolle rückwärts und torpediert den vom Stadtrat im Jahr 2006 eingeschlagenen und bislang engagiert verfolgten Weg zur „Biostadt“.

Vor diesem Hintergrund sehe ich mich leider gezwungen, den Münchner Umweltpreis, den mir die Stadt 2007 verliehen hat, zurück zu geben.

Tollwood engagiert sich seit vielen Jahren für eine artgerechte Tierhaltung – doch mit die-ser Beschlussvorlage fallen Sie der Bio-Landwirtschaft in den Rücken und leisten der industriellen Massentierhaltung – nicht nur in Bayern, aber dort vor allem auch – Vorschub. Denn mit dieser Vorlage positionieren Sie sich eindeutig: Wer Hendl aus bayerischer Massentierhaltung serviert, soll künftig Öko-Punkte kassieren dürfen.

Den Münchner Umweltpreis, auf den ich sehr stolz war, möchte ich von einer Stadt, deren in dieser Sache federführender Bürgermeister so agiert, nicht haben.

Ich bin sicher, Sie haben Verständnis für diese Entscheidung.

Mit freundlichen Grüßen
Rita Rottenwallner und das Tollwood-Team