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Warum

Industrielle Intensivtierhaltung ist gesundheitsgefährdend, tierquälerisch, unsozial, umweltbelastend, teuer, unnötig – und vor allem: unerwünscht. Bäuerliche Betriebe verlieren zunehmend den Kampf gegen Agrarfabriken. Auch bei uns in Bayern.

Industrielle Massentierhaltung ist tierquälerisch

Der allergrößte Teil unserer Nutztiere fristet ein erbärmliches, kurzes und leidvolles Leben in der industriellen Intensivtierhaltung. Im März 2015 hat der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik dem Bundeslandwirtschaftsministerium ein Gutachten übergeben, in dem die Nutztierhaltung in Deutschland scharf kritisiert wird: Die derzeitigen Haltungsbedingungen seien »nicht zukunftsfähig«. Es gebe erhebliche Defizite, vor allem im Bereich Tierschutz, aber auch im Umweltschutz.

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Industrielle Massentierhaltung ist umweltbelastend

Die industrielle Intensivtierhaltung gefährdet direkt oder indirekt unsere Umwelt. Wenn Futtermittel in flächenhaften Monokulturen angebaut werden, kommen Pestizide zum Einsatz, die Mensch und Umwelt belasten und Insekten, Vögel und Kleintiere bedrohen. Ein großer Faktor für das aktuelle verheerende Artensterben. Durch den hohen Nitrateintrag aus der landwirtschaftlichen Gülle verschlechtert sich die Qualität des Grundwassers woraus wir unser Trinkwasser gewinnen. Und den mit Abstand höchsten Anteil unserer ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen (ca. 40 %) verursachen wir durch tierische Lebensmittel. Weniger Fleisch und das aus artgerechter bzw. Bio-Haltung hilft Tier, Klima – und der eigenen Gesundheit.

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Industrielle Massentierhaltung ist unsozial

Abgesehen vom Tierleid sind auch Menschen direkt betroffen. Die Produktions- und Arbeitsbedingungen in der Massentierhaltungs-Industrie sind unwürdig und machen es den dort beschäftigen Arbeitnehmern oftmals unmöglich, respektvoll mit den Tieren und der Umwelt umzugehen. Das gilt auch für das „Ende der Kette“: Deutschland hat sich längst zum »Billig-Schlachthaus Europas« gewandelt. Stundenlöhne zwischen 3 und 5 Euro sind keine Seltenheit. Gleichzeitig bedrohen Nahrungsmittelexporte aus Europa und den USA Kleinbauern in Asien, Afrika und Lateinamerika. International stehen Arbeitsrechtsverletzungen für in der Landwirtschaft arbeitende Menschen an der Tagesordnung.

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Industrielle Massentierhaltung ist teuer

Der Preis lügt: Wissenschaftler der Universität Augsburg haben im Auftrag von Tollwood und der Schweisfurth-Stiftung untersucht, was unsere Lebensmittel wirklich kosten müssten – und zwar dann, wenn die „versteckten Kosten“, die sie verursachen, eingepreist werden. Selbst wenn nur drei Umweltbelastungen – Stickstoff, Treibhausgas-Emissionen und Energieverbrauch – berücksichtigt werden, müssten konventionelle Produkte tierischen Ursprungs auf Erzeugerebene dreimal so teuer sein, als derzeit! Eine erhebliche Marktverzerrung zu Ungunsten der Bio-Produkte! Würden diese „versteckten Kosten“ nämlich eingepreist werden, würde sich die Differenz zwischen Bio- und konventionell erzeugten Lebensmitteln deutlich verringern.

Das Gutachten ist die zweite Studie der Uni Augsburg. Die erste untersuchte die Kosten, die aus der hohen Nitrat-/Stickstoffbelastung der industriellen Landwirtschaft resultieren, etwa für die Wasseraufbereitung: über 11,5 Mrd. Euro! Ein inakzeptabler hoher Betrag – zumal vor dem Hintergrund, dass die Bruttowertschöpfung der gesamten deutschen Landwirtschaft in der Saison 2014/2015 knapp 17,5 Mrd. Euro betrug.

EU-Landwirte erhalten jedes Jahr Subventionen in Höhe von durchschnittlich 267 Euro je Hektar Land. Allein für die Betriebe in Deutschland macht das jährlich eine Summe in Höhe von 6,2 Milliarden Euro. Die Umweltauswirkungen auf Klima, Böden, Grundwasser und Biodiversität spielen als Bemessungsgrundlage kaum eine Rolle. Die Agrarpolitik wird bisher nicht genutzt, um eine Internalisierung der Kosten in der Landwirtschaft nach dem Verursacherprinzip herbeizuführen. Die Zusammenstellung von Foodwatch gibt einen Überblick über den aktuellen gesetzlichen Rahmen, die laufenden politischen Debatten und die theoretischen Grundlagen zu externen Effekten der Landwirtschaft. Klar wird, dass die EU-Agrarpolitik neu ausgerichtet werden muss.

Heile Welt Bayern? Weit gefehlt!

Auch bei uns in Bayern sind die Weichen längst gestellt: Bei der Anzahl der beantragten und genehmigten Tierhaltungsplätze für Masthähnchen und Schweine liegt Bayern ganz weit vorne in Deutschland. Nicht von ungefähr kommt, dass ausgerechnet Bayerns Behörden den Autoren des „Fleischatlas 2016“ die Herausgabe von Zahlen verweigerte – ebenso wie die Massentierhaltungs-Hochburg, der niedersächsische Landkreis Cloppenburg. Zu aussagekräftigen Zahlen kamen die Autoren aber trotzdem.

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